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KUCKEI + KUCKEI

Rorschach – an experiment

LILLY LULAY, PETER K. KOCH, MATTEN VOGEL, MICHAEL LAUBE, ANJA NITZ, OLIVER VAN DEN BERG, NIKOLA RÖTHEMEYER, MIGUEL ROTHSCHILD

17.6. –21.7.2017

 

 

 

Anja Nitz, „Rorschach #1 (Berlin Mitte)“, 2017

c-print on glass, 45 x 30 cm

 

Rorschach – ein Experiment

Die aktuelle Gruppenausstellung der Galerie Kuckei uns Kuckei „Rorschach – ein Experiment“ begann als ein ebensolches, mit der Frage, was geschieht, wenn einer Gruppe von Künstlern die Aufgabe gestellt wird mit dem gewohnten Weg der künstlerischen Auseinandersetzung zu brechen? Welcher Ansatz wäre tauglich um die Künstler, in ihren unterschiedlichen Ansätzen, dazu zu bewegen gewohnte Wege zu verlassen, um etwas Neues zu schaffen? Rorschach war die Antwort. Jeder Künstler wurde vor die Aufgabe gestellt seine eigene Reihe von Klecksographien zu schaffen und daraus folgend damit zu beginnen ein Fragment aus ihnen zu isolieren, eine Form zu modifizieren oder das ihnen Vertraute völlig zu überdenken. Ihre Serie von Klecksographien gab den Künstlern eine Möglichkeit zur Projektion statt wie üblich, bewusst darüber zu entscheiden, wie sie ihren kreativen Prozess vorantreiben.

Der Titel der Ausstellung – Rorschach – leitet sich von einem psychologischen Test ab, der darauf basiert die Deutung sogenannter Klecksographien einer Testperson aufzuzeichnen und mit verschiedenen Methoden zu analysieren. Die Tauglichkeit des Rorschachtest als diagnostisches Mittel ist stark umstritten, aber die faszinierende Wirkung der Klecksographien ist unbestritten. Rorschach – die Gruppenausstellung – geht in vielen Aspekten über den Test hinaus. Die Künstler haben ihre eigenen Klecksographien geschaffen, kommen selbst zu einer Analyse und beginnen schließlich einen Schaffensprozess aus dieser Erfahrung heraus. Es ist vielmehr die Erforschung der eigenen Projektionen und von dort aus die Entscheidung einem bestimmten Weg zu folgen um schließlich zu einem vollkommen neuen Werk zu gelangen.

Die Künstler konnten frei entscheiden wie weit sie sich in ihrem Werk von den Tintenflecken entfernen möchten. Einige, wie beispielsweise Matten Vogel, unternahmen unterschiedlichste Versuche und schufen nahezu laborartige Situationen, immer im Wechselspiel von Techniken und Ideen. Schließlich hat er eine Arbeit geschaffen, die vermutlich am weitesten entfernt von den Klecksographien ist, aber bei genauer Betrachtung eng verknüpft mit der Idee der Dualität, die sich in den Tintenflecken findet.

Anja Nitz´ Arbeiten erhalten ihre zerbrechliche Qualität nicht allein von dem Glas auf dem sie gedruckt sind, sondern auch von ihrer Entscheidung Form und Struktur ihrer ersten Klecksographien zu erhalten und eine zweite Bildinformation einfließen zu lassen. Aus der Entfernung gesehen bilden die Arbeiten eine Sammlung, geschaffen um uns zu erlauben Ähnlichkeiten und Unterschiede in der Gruppe zu beobachten. Aus der Nähe werden dann die zweiten Bildwelten deutlich dominanter und enthüllen teilweise sogar ihren Ursprung.

Die zurückgeworfene Reflektion war einer der ersten Gedanken, die Michael Laube beschäftigten, als er mit der Arbeit an den Klecksen begann. Seine Arbeit folgt zwar der organischen Form der Tinte, jedoch sobald die Übertragung ins Acrylglas geschieht verhärten sich die Formen und die Spiegel werfen unerbittlich den Blick zurück. Wenn ein Betrachter sich vor der Arbeit bewegt, werden die spiegelnden Flächen durch Reflektionen von unten unterbrochen und orientieren sich dabei an den Durchdringungen der Spiegelfläche selbst.

Peter K. Kochs animiertes Video folgt einem gänzlich anderen Ansatz als die anderen Arbeiten in der Ausstellung. Seine Arbeit ist schnell und es ist schwer ihr zu folgen. Sobald das Auge sich an einen Bild festgebissen hat, folgt schon das nächste. Text, geometrische Formen und Farbe formen einen Malstrom aus Informationen. Kochs Arbeit wägt vorsichtig die verschiedenen Rorschach Grundsätze, wie Dualität, Projektion und Interpretation ab.

Miguel Rothschilds Beitrag führt einen weiteren Aspekt in die Ausstellung ein. Ausgehend von der Klecksographie überträgt er die Spuren der Tinte auf Sicherheitsglas und schafft darin schließlich feine Risse. Diese feinen Risse sind nur bis zu einem gewissen Maß kontrollierbar, allerdings begrüßt Rothschild den Zufall und hält es für unnötig an der perfekten Form festzuhalten, stattdessen sieht er zusätzlichen Wert im Unterschied.

Oliver van den Bergs Arbeit basiert auf purem Zufall in ihrem ersten Schritt. Eine Gussmasse wird in einen abgegrenzten Bereich ausgegossen und übernimmt die Funktion der Tinte und all ihrer Folgen auf dem Papier. In einem zweiten Schritt formt er ein identisches Gegenstück und schafft so eine Arbeit, die vor allem Fragen wie Originalität, Echtheit und Dualität behandelt.

Mit ihrer für diese Ausstellung entstandenen Arbeit wendet sich Nikola Röthemeyer ab von ihrer traditionellen Arbeitsweise. Ausgehend von ihren Klecksographien beginnt sie die Zeichnung ohne eine konkrete Bildidee. Die Zeichnung kann sich frei auf dem Papier entfalten und damit eine „Innere Landschaft“ abbilden, die als Ergebnis der Analyse gesehen werden kann. Trotz der Aufgabe der Kontrolle ist sie sich der ständigen Spannung und kritischen Balance zwischen  Logik und Intuition, zwischen rechter und linker Gehirnhälfte, bewusst.

Lilly Lulays Arbeit beschäftigt sich ebenfalls mit dem Konzept von Original, Verdopplung und Dualität. Ohne zu viel preiszugeben erforscht sie den Abdruck und seine Folgen als Teil ihres Beitrags zur Ausstellung.

„Rorschach – ein Experiment“ will dazu auffordern mit den unsichtbaren Beschränkungen der Gewohnheit zu brechen, den Schritt ins Ungewisse zu wagen, die Kontrolle für den Moment aufzugeben und mit einer Idee, die aus einem glücklichen Zufall geboren wurde, neu zu beginnen.


 

Ausstellung smac Projektraum, Berlin

Anja Nitz / Sinta Werner

placelessness

featuring music by Michael E. Veal: hodere madji („lost star“, Wolof Language of Senegal)

Finissage 1.6. 2017, 19 Uhr

Ausstellungsdauer: 19.05. – 01.06. 2017

Öffnungszeiten: 19. – 21. 05. 2017, 13 -18 Uhr und nach Vereinbarung bis 01.06. 2017

smac, Linienstraße 57, 10119 Berlin

http://smac-berlin.de/placelessness-anja-nitz-sinta-werner

 

 

Mark Wigley in: Buckminster Fuller Inc., Architecture in the Age of Radio, Zürich 2015

„The message is clear. Nowhere escapes the net. A map of all the webs passing through any particular space would be impossibly dense. Invisiblle networks seemingly threaten visible means of defining space, dissolving the walls of buildings. The architeture of borders, walls, doors, and locks gives way to that of passwords, fire walls, public key encryption, and security certificates. Indeed, the idea of a space occupied by networks or superimposed by them has been replaced by that of overlapping networks within which physical space only appears as a fragile artifact or effect. Sapce itself can only be seen when caught in the net. It is as if the modern perforation and lightening up of architecture in the face of speed, industrialized technology, and mass production at the turn of the twentieth century has gone a step farther as buildings dissolve into information flow, to be either discarded as a relic of a previous time or nostalgically preserved as a quaint memento. The internet (…) now bounces from school to house to car to plane to beach. But what if we are actually at the end point of the network logic? What if contemporary discourse about the net simply realizes nineteenth-century fantasies that were acted throughout most of the last century? What if the much advertised dissolving of architecture occured long ago? What if much our net talk is just an echo? An echo of an echo.

 

 


 

Ausstellung im Haus am Kleistpark, Berlin 

Projektraum

Inszenation

Finissage: 12. März. 2017, 16 Uhr: Künstlerführung und Gespräch

Anja Nitz / Barbara Esch Marowski, Galerieleiterin

http://www.hausamkleistpark.de

 

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Foto: Gerhard Haug, Berlin

 


 

Japanisches Palais, Dresden

Ausstellungsreihe Prolog Dezember 2016 – Oktober 2017

Prolog # 2

Hinter den Spiegeln

Foto-Installation

Arbeit zu den Depots der Sächsischen Ethnographischen Sammlungen in Dresden, Leipzig und Herrnhut

20.1. – 20.10. 2017

Eröffnung am Donnerstag, 19.1. um 19 Uhr

Künstlergespräch:

Nanette Jacomijn Snoep, Direktorin der Sächsischen Ethnographischen Sammlungen, Anja Nitz

http://prolog-ausstellung.info/hinterdenspiegeln/

 

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Installationsansicht:

 

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Ausstellung im Haus am Kleistpark, Berlin

Inszenation

Fotografien aus Botschaften, Landesvertretungen und den Vereinten Nationen in Berlin, London und New York

13. 1. – 12. 3. 2017

Eröffnung am Donnerstag, 12. 1. um 19 Uhr

Einführung:

Barbara Esch Marowski, Direktorin Haus am Kleistpark

Christina Landbrecht, Humboldt Universität Berlin

http://www.hausamkleistpark.de

http://www.photography-now.com/exhibition/120721

 

Tschechische Botschaft, Berlin, Foyer

 

taz.am wochenende, 11. / 12. Februar 2017

https://www.taz.de/!s=Anja+Nitz/

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2016

 

„ex situ“

Ausstellung im Kunstverein Heinsberg

26. Juni – 17. Juli 2016

mit Arbeiten aus

Inszenation

Fotografien aus Botschaften, Landesvertretungen und den Vereinten Nationen

entstanden 2012 – 2014

http://www.kunstverein-heinsberg.de

 

UNO, New York, Perserteppich, 2012

 


 

Interview im Deutschlandradio Kultur

am 22.3.2016, in der Sendung Lesart, 10-11 Uhr

mit Joachim Scholl (Hörbar in Mediathek Deutschlandradio Kultur)


 

Ausstellung Wunderkammer Charité 

Tieranatomisches Theater zu Berlin

Oktober 2015 bis März 2016

Veranstaltungen innerhalb der Ausstellung:

 

Finissage am 12.3.2016, 15 – 19 Uhr

mit einer Führung durch die Ausstellung von Anja Nitz und Felix Sattler und

Musik von Christoph Mäcki Hamann


 

Interview cocoberliner, Februarausgabe 2016

http://www.cocoberliner.de/interview/2016/februar/anja-nitz

 


 

Tischgespräch – Das Krankenhaus der Dinge 

Donnerstag, 18. Februar 2016, 18.00 Uhr

Führung um 17.00 Uhr

Forscher_innen des Interdisziplinären Labors Bild Wissen Gestaltung der Humboldt-Universität zu Berlin diskutieren mit Gästen aus Kunst, Architektur und Wissenschaft. Ausgehend von der Ausstellung „Anja Nitz – Wunderkammer Charité“ fragen sie sich, welche Beziehungen, Abhängigkeiten und Möglichkeiten durch die Dinge im Krankenhaus entstehend und bestehen? Welche Perspektiven ergeben sich vor allem für die Gestaltung des Krankenhauses der Zukunft

Teilnehmer_innen / Participants:

Monika Ankele (Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, UKE Hamburg-Eppendorf), Gunnar Hartmann, Maria Keil (beide Bild Wissen Gestaltung, Basisprojekt »Gesundheit & Gestaltung«), Christina Landbrecht (Bild Wissen Gestaltung »Basisprojekt Gestaltung von Laboren«), Jörg Sasse (Künstler).

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit / In cooperation with Das Interdisziplinäre Labor Bild Wissen Gestaltung, Exzellenzcluster der Humboldt-Universität zu Berlin.

Tischgespräch Titel


 

Ausstellung im Tieranatomischen Theater der Humboldt Universität zu Berlin

Eröffnung am 9. Oktober 2015

 

Charite_Frauenklinik_Hörsaal_Beitrag

 

Arbeiten aus

Wunderkammer Charité

10. Oktober 2015 – 15. März 2016

Palimpsest oder Bricolage: Die Interieurs der historischen Charité veranschaulichen schichtartig die Entwicklung von Wissenschaft und Kultur der Medizin über die letzten 200 Jahre. Sie sind Thema und Inhalt der künstlerischen Fotoarbeit von Anja Nitz: ein Korpus von etwa 200 Fotografien, entstanden zwischen 2005 und 2009 in verschiedenen Instituten auf dem Campus Mitte der Berliner Charité, veröffentlicht 2010 im Berliner Nicolai Verlag unter dem Titel „Wunderkammer Charité“, mit Beiträgen u.a. von Horst Bredekamp und Anke te Heesen. Ausgangspunkt der Arbeit war die persönliche Konfrontation der Künstlerin mit der Frage nach dem gesellschaftlichen Begriff von Krankheit. Die Interieurs im Inneren der Charité-Gebäude begegneten ihr wie ein dreidimensionales Lexikon der medizinischen Kulturgeschichte: scheinbar unangetastete Räume, die ein Nebeneinander von verschiedenen medizinischen Epochen konservierten. Sie nahm sich vor, diese sich ablagernden, immer wieder neu überschreibenden, kristallin gewordenen ‚Zeit-Schichten‘ innerhalb der Räume fotografisch einzufangen. Anhand der Baugeschichte arbeitete sie sich chronologisch durch den Campus vor. So portraitierte sie insgesamt 11 Institute, angefangen mit dem Tieranatomischen Theater von 1790 bis hin zur hochmodern ausgestatteten Intensivstation. Die Fotografien fassen die Räumlichkeiten der Klinik als Sammlung auf und stellen Labor- und Forschungsräume, so wie Hörsäle, Patientenzimmer, Treppenhäuser, Depots, Bibliotheken etc. nebeneinander. Zu sehen sind alle diese Raum-Genres meist menschenleer, jedoch im Zustand des intakten Arbeitsbetriebs. Anja Nitz begreift diese Arbeitswelten in ihren Abbildungen als Inszenierungen, die ein Bewusstsein ihrer selbst suggerieren. Sie fügte den Fotografien Unterschriften hinzu, in denen sie die Bildinhalte konkret benennt und datiert, um sie chronologisch geordnet nebeneinander zu sortieren – wobei kein Unterschied zwischen einem Abfallbehälter und einem medizinischen Exponat gemacht wird. Diese Bildunterschriften sind nicht nur Beiwerk zu den Fotografien, sondern essentieller Bestandteil der Arbeit selbst. Als Quelle für ihre Angaben befragte die Künstlerin Angestellte der Klinik, die häufig ein ganzes Arbeitsleben an den betreffenden Orten verbracht hatten: diese mündlichen ‚Zeugnisse‘ – ihrerseits ein Abbild – waren die Grundlage für die Angaben in den Bildlegenden. Entstanden sind Bilder, die „ … die Würde des Alltäglichen, die geschichtliche Tiefe des Verlassenen, die menschliche Spur des Verfallenden, die Schönheit der amphitheatralischen Hörsäle, die dingmagische Qualität der Geräte und Instrumente …“ dokumentieren. Über allen Aufnahmen liegt der Schleier einer keinesfalls schwermütigen Melancholie. Aus ihr spricht der Eros für das Überholte, das Abgelegte, das Verschmutzte, das Fragile, das Marode und das Historische.“ (aus: Horst Bredekamp, in: „Ein Palimpsest der Epochen“, in Anja Nitz: Wunderkammer Charité, Berlin 2010)

 

Katalog zur Ausstellung

Cover Wunderkammer Charite

 

 

 

Faltblatt zur Ausstellung:

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Gestaltung: Büro Otto Sauhaus, Berlin