Wunderkammer Charité

Foto Arbeit über den historischen Campus Mitte der Berliner Charité, entstanden 2006-2009, veröffentlicht 2010 unter dem Titel Wunderkammer Charite, Innenansichten einer Berliner Institution, mit Texten u.a. von Horst Bredekamp und Anke te Heesen

 

Charité, Hautklinik, Badekabinen

Charité, Hautklinik, Badekabinen, 2007

 

Charité, Alte Frauenklinik, Hörsaal, 2006

Charité, Alte Frauenklinik, Hörsaal, 2006

 

Charité Mikrobiologie, Wachsmoulagen, 2006

Charité Mikrobiologie, Wachsmoulagen, 2006

 

Charité, Pathologie, Präparatorin, 2006

Charité, Pathologie, Präparatorin, 2006

 

Charite, Pathologie, Sektionssaal 1, 2006

Charite, Pathologie, Sektionssaal 1, 2006

 

Charité, Rechtsmedizin, Institutsleiterzimmer

Charité, Rechtsmedizin, Institutsleiterzimmer, 2007

 

Charité, Pathologie, Treppenhaus

Charité, Pathologie, Treppenhaus, 2006

Ausstellung Wunderkammer Charité

10. Oktober 2015  – 15. März 2016 im Tieranatomischen Theater der Humboldt-Universität zu Berlin

Palimpsest oder Bricolage: Die Interieurs der historischen Charité veranschaulichen schichtartig die Entwicklung von Wissenschaft und Kultur der Medizin über die letzten 200 Jahre. Sie sind Thema und Inhalt der künstlerischen Fotoarbeit von Anja Nitz: ein Korpus von etwa 200 Fotografien, entstanden zwischen 2005 und 2009 in verschiedenen Instituten auf dem Campus Mitte der Berliner Charité, veröffentlicht 2010 im Berliner Nicolai Verlag unter dem Titel „Wunderkammer Charité“, mit Beiträgen u.a. von Horst Bredekamp und Anke te Heesen. Ausgangspunkt der Arbeit war die persönliche Konfrontation der Künstlerin mit der Frage nach dem gesellschaftlichen Begriff von Krankheit. Die Interieurs im Inneren der Charité-Gebäude begegneten ihr wie ein dreidimensionales Lexikon der medizinischen Kulturgeschichte: scheinbar unangetastete Räume, die ein Nebeneinander von verschiedenen medizinischen Epochen konservierten. Sie nahm sich vor, diese sich ablagernden, immer wieder neu überschreibenden, kristallin gewordenen ‚Zeit-Schichten‘ innerhalb der Räume fotografisch einzufangen. Anhand der Baugeschichte arbeitete sie sich chronologisch durch den Campus vor. So portraitierte sie insgesamt 11 Institute, angefangen mit dem Tieranatomischen Theater von 1790 bis hin zur hochmodern ausgestatteten Intensivstation. Die Fotografien fassen die Räumlichkeiten der Klinik als Sammlung auf und stellen Labor- und Forschungsräume, so wie Hörsäle, Patientenzimmer, Treppenhäuser, Depots, Bibliotheken etc. nebeneinander. Zu sehen sind alle diese Raum-Genres meist menschenleer, jedoch im Zustand des intakten Arbeitsbetriebs. Anja Nitz begreift diese Arbeitswelten in ihren Abbildungen als Inszenierungen, die ein Bewusstsein ihrer selbst suggerieren. Sie fügte den Fotografien Unterschriften hinzu, in denen sie die Bildinhalte konkret benennt und datiert, um sie chronologisch geordnet nebeneinander zu sortieren – wobei kein Unterschied zwischen einem Abfallbehälter und einem medizinischen Exponat gemacht wird. Diese Bildunterschriften sind nicht nur Beiwerk zu den Fotografien, sondern essentieller Bestandteil der Arbeit selbst. Als Quelle für ihre Angaben befragte die Künstlerin Angestellte der Klinik, die häufig ein ganzes Arbeitsleben an den betreffenden Orten verbracht hatten: diese mündlichen ‚Zeugnisse‘ – ihrerseits ein Abbild – waren die Grundlage für die Angaben in den Bildlegenden. Entstanden sind Bilder, die „ … die Würde des Alltäglichen, die geschichtliche Tiefe des Verlassenen, die menschliche Spur des Verfallenden, die Schönheit der amphitheatralischen Hörsäle, die dingmagische Qualität der Geräte und Instrumente …“ dokumentieren. Über allen Aufnahmen liegt der Schleier einer keinesfalls schwermütigen Melancholie. Aus ihr spricht der Eros für das Überholte, das Abgelegte, das Verschmutzte, das Fragile, das Marode und das Historische.“ (aus: Horst Bredekamp, in: „Ein Palimpsest der Epochen“, in Anja Nitz: Wunderkammer Charité, Berlin 2010)

Faltblatt

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Gestaltung: Büro Otto Sauhaus, Berlin

 

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