Hinter den Spiegeln

Foto-Arbeit zu den Depots der Sächsischen Ethnographischen Sammlungen in Dresden, Leipzig und Herrnhut

http://prolog-ausstellung.info/hinterdenspiegeln/

 

Depots sind wahre Schlüsselorte der Museen, beherbergen sie doch den weitaus größeren Teil der Sammlungsgegenstände.

Hier werden Objekte den neugierigen Blicken der Besucher entzogen, sicher verwahrt und vor Witterungseinflüssen, Überschwemmungen und Bränden, vor Insekten, Nagetieren oder schlicht vor Kunstdieben geschützt. Hier werden sie – darin besteht ein grundregender Antrieb eines jeden Sammlers – vor dem Verschwinden und Verfall bewahrt, dem sie sonst zwangsläufig ausgesetzt wären.

Depots sind Orte des Zusammentragens, des Identifizierens, des Benennens, des Schaffens und Auflösens von Ordnungen, des Verpackens und Auspackens, des Inventarisierens, des fortwährenden Auf- und Umräumens. Hier wird die Unordnung zur vermeintlichen Ordnung.

Durch ihre Behandlung erfahren die Objekte, die oftmals weit entfernt gesammelt wurden, aber auch einen Neutralisierung. Depots sind Sterne Orte.

Untersucht, desinfiziert, inventarisiert, vermessen und Katalogisiert, finden sich die Sammlungsobjekte in Regalen, Schubladen und Kisten wieder. hier fristen sie den größten Teil ihres Daseins. Schlafende Objekte.

In gewisser Weise handelt es sich bei den Museumsdepots um „Parallelwelten“, wie die Fotografin Anja Nitz es beschreibt. Im Versuch, diese als Orte zu fassen, die uns gleichsam einen Spiegel vorhalten, hat sie über mehrere Monate hinweg die Depots der drei Museen für Völkerkunde (Dresden, Leipzig, Herrnhut) der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden durchforstet und fotografiert. Erzählen die Depots letztlich doch mehr über unsere Gesellschaft als über die Herkunftsländer der Objekte?

Nanette Snoep, 2017